Freitag, 18. August 2017

Eine indische Seifenoper, die tabuisierte Problem aufgreift, wird zum Publikumsmagneten

Bollywood greift Säureattentate, die Abtreibung weiblicher Embryos, Menstruation, Masturbation, Empfängnisverhütung und andere Tabus auf, von denen man nicht spricht, und erreicht damit 400 Millionen Zuschauer.

"An Indian soap opera whose themes include acid attacks, domestic violence and high rates of abortion of female foetuses has quietly become one of the most-watched programmes on the planet.
India’s public broadcaster announced in April that the audience for Main Kuch Bhi Kar Sakti Hoon – I, a woman, can achieve anything – had, in two seasons, exceeded 400 million viewers “and counting”. [...] 
In a country where government can be a marginal – and sometimes malign – influence on people’s lives, celebrities wield enormous power [...]
“When [Bollywood film star] Amitabh Bachchan says please give your child two polio drops, they listen to him more than to the government of India.
“Nobody trusts a cop in India, nobody trusts a politician. But with soap star Tulsi and other heroines, people actually believe them when they say something,” she says.
Director Feroz Abbas Khan is aware of the show’s limitations. “Let’s not mistake that this one television programme is going to change everything,” he says, adding that in a conservative society, the programme is clearly breaking boundaries. “In our society, nobody speaks. Children and parents don’t have conversations about sex.
“We’re talking about menstruation, masturbation, contraceptives,” he says. “These things never came on our TV. We’ve pushed the envelope.”" (The Guardian 1.6.2017)

Donnerstag, 17. August 2017

Wie nahe steht Trump den Rechtsradikalen?


US-Präsident Trump hat erneut die rassistische Gewalt in Charlottesville relativiert. Mehrere Wirtschaftsbosse verließen daraufhin eines seiner Beratergremien, zahlreiche Demokraten und Republikaner kritisierten die Aussagen des Präsidenten. Lob erhielt er von führenden Rechtsextremisten. Kommentatoren bezeichnen seine Kehrtwende als gigantische Dummheit, mit der er endgültig zu weit gegangen ist.
LIBÉRATION (FR)

Eine historische Dummheit

Trumps Kehrtwende ist eine Dummheit von historischer Dimension, meint Libération:
„Schlimmer noch, es ist auch eine Beleidigung der US-amerikanischen Identität, wie sie sich durch so viele Kämpfe herausgebildet hat. ... Indem er offen rassistischen Bewegungen entgegenkommt, bekommt dieser Auftritt eine historische Bedeutung. Noch nie hat ein US-Präsident den Prinzipien dermaßen widersprochen, auf denen die Demokratie seines Landes basiert. Indem er implizit weißen Rassismus guthieß, beleidigte er die Autoren des 14. Amendments der US-Verfassung, auf die Trump seinen Eid geschworen hat und in der steht, dass jeder US-Amerikaner die gleichen Bürgerrechte genießt, völlig unabhängig von seiner ethnischen Abstammung.“
Laurent Joffrin
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PHILELEFTHEROS (CY)

Trump ist ein Rassist

Die Worte und Taten von Präsident Trump lassen nur einen Schluss zu, kommentiert die Tageszeitung Phileleftheros:
„Die Tatsache, dass er die Rechtsextremen braucht, ist nicht der einzige Grund, warum er sie unterstützt. In seinem tiefsten Inneren ist er einer von ihnen. Dies zeigen seine Worte und Werke. Er ist der Präsident, der die wenigsten Frauen in der Regierung hat, der mit den schlimmsten Worten über sie geredet hat. Er ist der Präsident, der Dekrete gegen die Einreise bestimmter religiöser Gruppen erlassen hat. Er ist der Präsident, der jedes Mal, wenn ein Afroamerikaner von einem weißen Polizisten getötet wird, über Bekämpfung der Kriminalität redet. Kurz gesagt, er ist ein Rassist.“
Xenia Tourki
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ILKKA (FI)

Der Ku-Klux-Klan bedankt sich

Man kann Donald Trump vieles vorwerfen, aber jetzt ist er endgültig zu weit gegangen, betont Ilkka:
„Trump hat den Neonazis in Charlottesville seine stillschweigende Billigung erteilt, nachdem einer mit dem Auto in eine Menschenmenge fuhr und dabei einen Menschen tötete. … Für den Präsidenten ist eine Verurteilung der Rassisten schwierig, denn die Mitglieder des Ku-Klux-Klans in den Südstaaten zählen zu seinen Unterstützern. Der Anführer des Ku-Klux-Klans freute sich darüber und bedankte sich öffentlich beim Präsidenten. … Man sollte merken, dass man falsch gehandelt hat, wenn Neonazis anfangen, sich zu bedanken.“
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DIE WELT (DE)

Selbst Republikaner gehen auf Distanz

Trump begreift sich nur als Präsident der tiefrepublikanischen USA und der antidemokratischen Kräfte am äußersten Rand, konstatiert Die Welt:
„Er führt, ein Dreivierteljahr nach seinem Wahlsieg, nicht das Land, sondern eine 'Bewegung', die ihn ins Amt brachte. ... Dass sich diese Bewegung zu radikalisieren scheint, nimmt Trump in Kauf. Doch das ist eine gefährliche Taktik. Je mehr sich Trump mit diesem unappetitlichen Teil der amerikanischen Gesellschaft gemein macht, desto schneller gehen selbst ultrakonservative Republikaner auf Distanz zum Präsidenten. Die Freiheit des Wortes wird in den USA hochgehalten. Sie wird von der großen Mehrheit der Gesellschaft selbst weißen Rassisten oder KKK-Extremisten zuerkannt. ... Aber einen Präsidenten, der Gewalttaten dieser Extremisten indirekt verniedlicht, finden letztlich nur jene akzeptabel, die auch die Gewalttaten bejahen.“
Ansgar Graw
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DE MORGEN (BE)

Flucht der Berater trifft Trump hart

Nach Trumps erneuter Relativierung der rassistischen Krawalle in Charlottesville haben mehrere Wirtschaftsbosse ihre Beraterfunktion für den US-Präsidenten aufgegeben. Das wird ihn schwer treffen, stellt der Schriftsteller und Kolumnist, Hugo Camps, in De Morgen zufrieden fest:
„Ihr Widerstand ist umso bedeutsamer als sie das Herz der modernen und innovativen Unternehmen darstellen, die in der Wahl-Rhetorik Trumps der heilige Gral sind. Der Protest der Wirtschaftsgiganten trifft den US-Präsidenten voll in Bezug auf seine Heilslehre von der Bedeutung der Wirtschaft. ... Wirtschaftsbosse scheuen eigentlich öffentliche Debatten und vermeiden es, Stellung zu aktuellen gesellschaftlichen Problemen zu nehmen. ... Doch im Kampf gegen Hass und Intoleranz müssen soziale Schranken wegfallen.“
Hugo Camps
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Mittwoch, 16. August 2017

"Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei"

Über diesen so typischen Merkel-Satz rätselt die Welt. 
Von 
"[...] Merkel ergänzte unter Anspielung auf die Verhandlungen mit Trump in Sizilien: "Das habe ich in den letzten Tagen erlebt. Und deshalb kann ich nur sagen: Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in unsere eigene Hand nehmen." Die dürftigen Ergebnisse des Gipfels von Taormina hatte sie am Tag zuvor als "sehr unzufriedenstellend" bezeichnet.
Über Merkels Rhetorik wurde oft geklagt und gespottet, über die Unschärfe und zuverlässig unklaren Bezüge gerätselt und gewitzelt. Wer oder was schafft etwas im berühmten "Wir schaffen das"? In welcher Hinsicht ist von Europa die Rede, wenn es heißt, Europa scheitere, wenn der Euro scheitere? Was geht unter Freunden ein bisschen, wenn das Ausspähen unter Freunden gar nicht geht? [...]"

Dienstag, 15. August 2017

NGOs stoppen Seenotrettung von Geflüchteten

Private Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen und Sea-Eye haben ihre Einsätze zur Rettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer vorerst beendet. Grund dafür sind Sicherheitsbedenken angesichts der Drohungen der von Milizen kontrollierten libyschen Küstenwache. Kommentatoren streiten sich über den Einfluss der NGO-Einsätze auf die Fluchtbewegungen.
SALZBURGER NACHRICHTEN (AT)

Die NGOs sind der falsche Gegner

Solange Schlepper Fahrten nach Europa anbieten, werden sich Verzweifelte auf den Weg machen, sind die Salzburger Nachrichten sicher:
„Welchen Einfluss die NGO-Einsätze tatsächlich auf die Fluchtbewegungen haben, lässt sich nicht eindeutig nachweisen. ... Das ausschlaggebende Element für eine Flucht sind die Rettungen aber nicht. ... Die NGOs im Mittelmeer warnen nun, sie hinterließen eine 'tödliche Lücke'. Wenn sie nicht vor der libyschen Küste unterwegs seien, müssten mehr Menschen ertrinken, prophezeien sie. Wer in Libyen gestrandet ist, wird weiter versuchen, nach Europa zu kommen, solange es irgendeine Möglichkeit dazu gibt. Und die Schlepper sind erfahrungsgemäß findig, wenn es um das Anbieten von neuen Möglichkeiten geht. Sie zu bekämpfen ist die einzig nachhaltige Lösung, um die tödlichen Überfahrten zu stoppen.“
Stephanie Pack
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DIE WELT (DE)

Flüchtlingsretter denken zu kurz

Wenig Verständnis für die NGOs hat Die Welt:
„Die privaten Retter agieren ... verantwortungslos, weil sie de facto das Geschäft der Schlepper fördern und in der Flüchtlingsfrage nur bis zum nächsten Schlauchboot denken - während alle Politiker in Regierungsverantwortung auch die Stabilität eines wankenden europäischen Kontinents im Blick haben müssen. Jedem, der bei Verstand ist, dürfte klar sein, dass es die EU und ihre Gesellschaften zerreißen wird, wenn wir allen, die von einem besseren Leben in Europa träumen, den Weg zu uns eröffnen. ... Die Aktivisten dagegen wollen jedem von den Menschenhändlern vollgestopften Flüchtlingsboot die Rettung versprechen und die Weiterreise seiner Insassen an sichere europäische Gestade. Kurzfristig rettet das Leben. Wer aber das Sterben zwischen Sahara und Mittelmeer beenden will, muss dafür sorgen, dass sich immer weniger Menschen für die Höllenfahrt Richtung Europa entscheiden.“
Rainer Haubrich
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LA REPUBBLICA (IT)

Eine Kapitulation vor den Rechten

Die Schiffe der Nichtregierungsorganisationen, die nun in den Häfen vor Anker liegen, sind das Bild des moralischen und politischen Scheiterns Europas, konstatiert La Repubblica:
„Wir haben zugelassen, dass die Unternehmer der Angst, die auf Stimmenfang sind, die NGOs auf die Anklagebank zitierten. Wir haben sie der Propaganda der [rechtsnationalen] Lega Nord und des Movimento 5 Stelle von Grillo zum Fraß vorgeworfen, die sie als Meeres-Taxis verunglimpften. ... Am Ende haben die NGOs die Segel gestrichen, was abzusehen war. Doch wie konnte es zu dieser Kapitulation der Zivilisierten kommen? Den kulturellen Hintergrund bildet eine Linke, die sich hat ausblenden lassen. Schweigend und auf erbärmliche Art und Weise ist sie der neuen Hegemonie der 'nationalistischen' Rechten gewichen.“
Massimo Giannini
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NGOs stoppen Seenotrettung von Geflüchteten
 (euro|topics)