Mittwoch, 26. Juli 2017

Athen wagt sich wieder an die Finanzmärkte

Griechenland ist rund ein Jahr vor Ende des dritten Hilfspakets an die Finanzmärkte zurückgekehrt. Nach dreijähriger Pause gab Athen am Dienstag wieder eine Anleihe aus und sammelte rund drei Milliarden Euro ein. Viele Journalisten glauben allerdings, dass es für Athen noch ein langer Weg hin zur finanziellen Eigenständigkeit ist.
FINANCIAL TIMES (GB)

Wichtiger Schritt in Richtung Normalität

Für Financial Times ist die Rückkehr Griechenlands auf den Kapitalmarkt eine erfreuliche Nachricht:
„Die Ausgabe der Anleihe legt nahe, dass Investoren zunehmend darauf vertrauen, dass Griechenland den Weg schmerzhafter Reformen weiter gehen wird. Und dass die Gläubiger trotz politischer Hürden letztlich dem Schuldenerlass zustimmen werden, der notwendig ist, um die Staatsfinanzen des Landes auf eine tragfähige Basis zu stellen. ... Griechenlands Rückkehr auf den Kapitalmarkt ist kein Allheilmittel – aber ein willkommenes Anzeichen dafür, dass die Normalität zurückkehrt. Nach so vielen Fehlstarts könnte er für einen dringend nötigen Vertrauensschub sorgen.“
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NEUE ZÜRCHER ZEITUNG (CH)

Zurück im Jahr 2014

Panagis Galiatsatos, Wirtschaftskorrespondent der Neuen Zürcher Zeitung in Athen, sieht hingegen nur wenig Grund zum Jubeln:
„In Wirklichkeit ist Griechenland nämlich bloss wieder da, wo es im April 2014 gestanden hatte. Damals wagte Athen den Gang an die Märkte unter vergleichsweise schwereren Bedingungen. Es gab kein Quantitative-Easing-Programm der EZB, und das Zinsniveau in der Euro-Zone war höher als heute. In Griechenland selbst war eine radikale Opposition im Kommen, die die Anleger verunsicherte. Heute dagegen gibt es kein politisches Risiko, die konservative Nea Dimokratia, die unangefochten in den Umfragen führt, gilt als marktfreundlich und programmkonform. Auch damals wurde die Emission ein Erfolg ... Der Erfolg war aber nicht nachhaltig, es folgte nichts. Jeder Börsenmakler mit ein bisschen Griechenland-Erfahrung wird deshalb berechtigte Zweifel hegen, ob es diesmal anders wird.“
Panagis Galiatsatos
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DER STANDARD (AT)

Schon kleinste Turbulenzen wären fatal

Auch Der Standard ist misstrauisch und warnt, dass auf dem Weg zur Normalisierung noch viele Stolpersteine liegen:
„Für Griechenland und die Eurozone ist das Vertrauen der Anleihegläubiger ein positives Signal. In gut einem Jahr soll das Land ja wieder ohne Hilfen der Währungsunion und des IWF über die Runden kommen. Doch für Euphorie gibt es keinen Anlass. Die erfolgreiche Begebung der Anleihen ist zu einem guten Teil der Jagd nach Rendite geschuldet, die längst bedenkliche Ausmaße angenommen hat. Es würden wohl schon kleinere ökonomische oder politische Turbulenzen reichen, um das fragile Finanzgerüst zum Einsturz zu bringen.“
Andreas Schnauder
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TO VIMA ONLINE (GR)

Der Weg hierher war steinig

To Vima wiederum blickt in ihrer Online-Ausgabe auf den schmerzhaften Prozess zurück, der der Rückkehr an den Kapitalmarkt vorausging:
„Die Regierung mag heute feiern, aber wir alle erinnern uns an die Absurditäten ihrer Politik. … Es waren neue Sparmemoranden und dramatische Belastungen für Unternehmer und Bürger nötig, um zu erkennen, wie nützlich es ist, sich von diesen verdammten Märkten Geld zu leihen. Es dauerte drei Jahre, in denen Tsipras und die anderen Führungskräfte auf unsere Kosten die Kunst des Regierens erlernten, damit wir wieder Geld leihen können. Unter Bedingungen, die weit entfernt sind von den eigentlich auf den internationalen Märkten herrschenden Bedingungen.“
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